Die Zukunft des sozialen Internets ist menschlich

Das Treffen „Rebuild 1” markiert einen Wendepunkt: Zu lange war die europäische Tech-Debatte reaktiv, konzentrierte sich auf Regulierung und Aufholjagd.

Letzte Woche stand ich in einem Raum in Kopenhagen mit 200 der ambitioniertesten Plattformentwickler, Investoren und politischen Entscheidungsträgern Europas. Wir waren nicht dort, um zu diskutieren, wie man Big Tech „reparieren” kann. Wir waren dort, um zu diskutieren, wie man es ersetzen kann.

Als ich an den Sessions mit Menschen wie Margrethe Vestager, Thomas Madsen-Mygdal und Sebastian Turner teilnahm, wurde mir klar: Europa ist nicht mehr daran interessiert, ein besseres “Casino” zu bauen. Wir bauen das digitale Äquivalent von öffentlichen Parks, Bibliotheken und Stadtplätzen. Also den Dingen für die die Welt Europa kennt und schätzt.

Bei coapp waren wir schon immer davon überzeugt, dass eine Community mehr ist als eine Gruppe von Nutzern – sie ist ein lebender Organismus. Heute, da wir den Rebuild Letter (https://letter.rebuild.net) offiziell unterzeichnen und veröffentlichen, möchte ich deutlich machen, warum das soziale Internet neu aufgebaut werden muss und welche rolle coapp dabei spielen wird.

Von "Processed Intelligence" zu menschlichen Beziehungen

Seit einem Jahrzehnt wird das soziale Internet von verarbeiteter “Intelligenz” dominiert, von Algorithmen, die darauf ausgelegt sind, Aufmerksamkeit zu generieren und das Engagement zu maximieren, um Profit zu erzielen. Das Ergebnis ist ein „Global Feed“, der Empörung über Verständnis stellt.

In Kopenhagen ist mir ein Gedanke besonders im Gedächtnis geblieben:

„Die digitale soziale Plattform ist eine Erweiterung unseres realen Lebens. Ohne reale Beziehungen Leben gibt es keinen Bedarf für eine soziale Plattform.“

Genau aus diesem Grund gibt es coapp. Wir entwickeln nicht für Nutzer, sondern für Relationship Creators. Menschen, deren Mission und Leidenschaft es ist, menschliche Verbindungen und Werte für alle Beteiligten zu fördern.

Unser Fokus liegt nicht darauf, Menschen an den Bildschirm zu fesseln, sondern darauf, die Infrastruktur bereitzustellen, die es realen Netzwerken ermöglicht, zu gedeihen. Von kleinen Gruppen über Innovationszentren bis hin zu Branchenverbänden und welchen Formen auch immer menschliche Gemeinschaften in Zukunft annehmen werden.

Was wir entwickeln: Milliarden von Plattformen, nicht Milliarden von Nutzern

Die Ära der „Mega-Plattformen“ stößt an ihre Grenzen. Die großen Tech-Unternehmen haben Hunderte von Milliarden ausgegeben, um uns in eine virtuelle Welt zu zwingen. Heute wissen wir: Es hat nicht funktioniert. Einfach weil es nie auf den Menschen zugeschnitten war.

Unsere Vision bei coapp ist eine grundlegende Umkehrung des Konzepts:

  • Der alte alte Weg: Milliarden von Menschen auf einer Plattform. Du bist das Produkt.

  • Der neue Weg: Einige Menschen auf Milliarden von Plattformen. Du bist der/die Kund:in.

Dass dies nicht nur Theorie ist, haben wir bei coapp mit bereits über 4.000 dieser „menschenorientierten” Communities gezeigt. Indem wir eine souveräne Infrastruktur bereitstellen, in der Communities ihre eigenen Daten, Regeln und Monetarisierung besitzen, beweisen wir, dass das Internet dezentralisiert werden kann, ohne dass es zu einer Trennung kommt.

Investoren und “Builder” können diesen Wandel nur gemeinsam möglich machen

Eine kritische Diskussion in Kopenhagen drehte sich um das Investitionspapier zu sozialen Plattformen. Müssen wir aufhören, soziale Plattformen als „weiche” Verbraucher-Apps zu betrachten, und sie stattdessen als strategische und kritische Infrastruktur ansehen?

Wenn wir nicht die Plattformen kontrollieren, auf denen wir Identitäten bilden, Vertrauen aufbauen und uns organisieren, werden wir niemals Souveränität erlangen. Wie in den letzten Monaten deutlich wurde, sind europäische soziale Plattformen zu einer Form moderner „Verteidigungstechnologie” für unsere Demokratien geworden.

Um diese kritische Infrastruktur zurückzugewinnen und globale Alternativen zu schaffen, die auf demokratischen und menschlichen Werten basieren, müssen wir mehr öffentliche und private Mittel einwerben, um dies zu erreichen. Nur wenn Builder und Investoren gemeinsam die Vision verfolgen, dass wir nicht die nächste langweilige Consumer-App entwickeln, sondern das Rückgrat der Zukunft des sozialen Internets, können wir gemeinsam eine neue Generation globaler Champions schaffen.

Warum wir den Rebuild Letter unterzeichnet haben

Der Rebuild Letter ist ein dringend benötigtes gemeinsames Manifest. Es ist eine Verpflichtung zu:

  • Bewusste Partizipation: Gestaltung für aktive Teilhabe, nicht für passiven Konsum.

  • Souveränität: Sicherstellen, dass Ihre Marke, Ihre Regeln und Ihre Daten Ihnen gehören.

  • Reichhaltigkeit statt Reichweite: Die Tiefe einer Verbindung hat Vorrang vor der Breite eines Feeds.

Als Gründer, der seit 2003 Ökosysteme baut, von Hafven bis coapp, sehe ich dies als eines der wichtigsten Handlungsfelder unserer Zeit. Wir stoßen den ersten Stein in einer Bewegung an, die sich von Kopenhagen über Helsinki bis nach Paris und schließlich in die ganze Welt erstrecken wird.

Wir entwickeln nicht nur eine Reihe von Funktionen, sondern schaffen ein Vermächtnis digitaler Menschlichkeit und Autonomie.

Wenn du ein Builder bist, schließ dich der Bewegung an, indem du den Rebuild-Letter unterzeichnest:
https://letter.rebuild.net

Jonas Lindemann

Jonas is Co-Founder and CEO of coapp – a community platform for the age of hybrid work and the B2B sharing economy. Over the last years, he has founded and managed several companies in tech, innovation and B2B services. Jonas shares his experience with start-ups as an advisor and mentor.

https://jonaslindemann.com
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Digitale Souveränität: Warum die Zukunft deiner Community unabhängig ist